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Freitag, 1. Juni 2012

...haben heute die "Ermittler" angerufen

Wann wir denn für eine Befragung zur Verfügung ständen: Schön, dass exakt zwei Monate nach dem Einbruch – nachdem Camilo längst einen neuen Laptop, ich ein neues Handy und das Haus eine neue Sicherheitsanlage haben – noch mal jemand von der Polizei an uns denkt.

Dienstag, 22. Mai 2012

...startet die erste Beschwerdestelle gegen Kinderpornografie

"Te Protejo" (Ich beschütze dich) ist in Lateinamerika bislang einzigartig: Die Allianz aus Familienwohlfahrt (Instituto Colombiano de Bienestar Familiar, ICBF), Technologieministerium, der Stiftung Telefónica und dem Elternnetzwerk Red PaPaz bietet mit Unterstützung der Nationalpolizei und dem Verband INHOPE künftig die Möglichkeit, verdächtige Inhalte anonym anzuzeigen – für den Leiter des ICBF erst der Beginn des Kampfes gegen das Schweigen.

Länder, die im Jahr 2010 Internet-"Hotlines" gegen illegale Inhalte geschaltet hatten. Quelle: INHOPE-Jahresbericht

Sonntag, 6. Mai 2012

...wurden gestern 22 Spaziergänger in den Bergen überfallen

Bei dem atraco masivo ("Massenüberfall"), wie ihn die Presse hier taufte, bedrohten die atracadores die Freizeitsportler mit Revolvern und nahmen ihnen Handys, Kameras, Portemonnaies und Klamotten ab* – meine Schwiegermutter, die vier Mal pro Woche auf ihren Hausberg steigt, hatte zum Glück gestern eine andere Route genommen...



*Anzeige haben bisher erst drei der 22 Opfer erstattet

Donnerstag, 3. Mai 2012

...ist die Mordrate so niedrig wie seit 15 Jahren nicht mehr

Im April sind in der Hauptstadt 96 Menschen umgebracht worden (auf 100.000 Bogotanos kommen damit "nur noch" 17,4 Morde*); etwa ein Viertel weniger als im Vorjahresmonat – aus Sicht von Bürgermeister Gustavo Petro zeigt sein Waffenverbot Wirkung.

* mit einer landesweiten Quote von traurigen 33/100.000 Einwohnern liegt Kolumbien allerdings immer noch auf Platz 15 auf der Liste der gewalttätigsten Länder der Welt

Samstag, 28. April 2012

...gab es schon wieder einen Säure-Anschlag auf eine Frau

Erst vorgestern sagte mir ein Anthropologe auf dem Weg nach San Agustín, dass auch Verbrechen kulturelle "Ideen" seien; als Beispiele nannte er für die kolumbianische Kultur: die altbekannten Entführungen und die neuerdings immer häufigeren Säure-Attacken - und heute lese ich, dass es von letzteren allein in der Hauptstadt dieses Jahr schon vier gegeben hat, die jüngste in der Nacht von Donnerstag auf Freitag.*

Am Weltfrauentag machte El Espectador mit dem Thema auf.
 * Wir sprachen auch die Verantwortung der Medien an und die Frage, ob die ständige Berichterstattung diesen Trend nicht vielleicht sogar befeuert...

Montag, 9. April 2012

...brüten wir noch über unserem ersten Kolumbien-Krimi


Jetzt, da mein Schwager im Flugzeug gen Bogotá sitzt und wir ihm seinen Osterurlaub nicht mehr vermiesen können, darf ich endlich diesen Eintrag von letztem Sonntag veröffentlichen:

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Gestern Nacht wurde bei uns in El Espinal eingebrochen: Camilos Ledertasche mit Laptop, Aufnahmegerät, Sennheiser-Kopfhörern und wichtigen Unterlagen ist weg – und mein Handy.*

CSI auf Kolumbianisch – der  Cuerpo Técnico de Investigación (CTI) hat die Beweisstücke im Hof nummeriert: ein Messer, das senkrecht im Boden steckte (#2), ein T-Shirt (#3) und eine Kappe (#4), die die Diebe bei der Flucht über Teakholz und Mauer verloren haben.
Zum Glück hatte am Domingo de Ramos ein Macheten-Talent Zeit, die Äste zu stutzen, die zum Nachbargrundstück hinüberragten.



* Irgendetwas (vielleicht das Gebell der Hunde) hat die Einbrecher wohl verjagt: Jedenfalls stand ein Koffer mit 350 CDs, den sie bereits zum "Fluchtbaum" getragen hatten, morgens noch dort; Oles Kamera im Wohnzimmer, wo auch mein Handy lag, müssen sie übersehen haben, und in ein anderes Zimmer als unseres gingen sie nicht mehr – bloß in die Küche, wo sie ein paar Arepas, Apfelsinen, Milch und Avena verputzten und anschließend die Kühlschranktür offen ließen.

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Eine Woche später sind wir übrigens noch nicht schlauer, und von den "Ermittlern" haben wir nie wieder was gehört.

Samstag, 24. März 2012

...geht nur eins von vier Opfern eines Verbrechens zur Polizei

Als mir in einem unserer Urlaube hier die Kreditkarte geklaut wurde, habe ich auch nur Anzeige erstattet, weil ich den Wisch für meine deutsche Bank brauchte – Hoffnung, dass der Dieb gefunden würde, hatten weder ich noch der Polizist...

Dieser repräsentativen Umfrage der Handelskammer Bogotá zufolge mangelt es den meisten, die keine Anzeige erstatten,
an Vertrauen in die Polizei. (Die hübschen roten Markierungen habe ausnahmsweise nicht ich verbrochen.)
Quelle: camara.ccb.org.co

Donnerstag, 15. März 2012

...fühlt sich Taxi- manchmal wie Schwarzfahren an

Es ist diese "wenn-was-passiert-bin-ich-selbst-schuld"-Ahnung, die erst verschwindet, wenn man wieder aussteigt: aus einer Berliner U-Bahn, für die man keinen Fahrschein hatte – oder aus einem gelben Auto, das man wider besseren Wissens auf einer kolumbianischen Straße angehalten hat...

Samstag, 11. Februar 2012

...sagen Schilder, welches Grundstück NICHT zu kaufen ist

Weil immer wieder Betrüger versuchen, die lotes anderer Leute zu verkaufen, wissen diese sich nicht anders zu helfen: "Este terreno NO se vende, personas inescrupolosas lo pueden engañar." *


* Dieses Gelände ist nicht zu verkaufen; skrupellose Menschen könnten Sie täuschen.

Montag, 16. Januar 2012

...haben wir heut unsere Seitenspiegel an die Soledad verloren

Schöner Abend bei Freunden – böse Überraschung: In einem Stadtviertel, das "Einsamkeit" heißt, sollte man vielleicht wirklich nicht auf der Straße parken.*


*Die Fotos habe ich erst bei uns in der Tiefgarage gemacht.

Sonntag, 15. Januar 2012

...kriegt man "Schwarzen Azteken" am Gemüsestand

Auf dem Marktplatz Paloquemao sagt ein Mann vom Sicherheitsdienst: "Fräulein, ich muss Sie bitten, die Kamera wegzupacken." – "Oh, ist Fotografieren hier verboten?" – "Nein, aber die wird Ihnen sonst geklaut." (Also wieder mal nur Handy-Bilder, unter anderem vom maíz negro azteca.)



Freitag, 13. Januar 2012

...liest sich Twitter wie Polizeifunk

Drei Jugendliche, offenbar betrunken, fahren mit ihrem Auto gegen ein Haus; eine Verfolgungsjagd der Polizei hinterlässt zwei Tote und vier Verletzte (der Streifenwagen stößt mit einem Taxi zusammen); ein Soldat und ein Zivilist werden bei FARC-Angriff verletzt; eine Autobombe tötet zwei und verletzt drei Menschen; das ermordete Baby wird obduziert – ein schwacher Trost, dass nur die erste Nachricht aus der Hauptstadt kommt...